Abenteuer
Die Prophezeiung - Teil 4 von 5

Die Realität der Szenerie traf den kleinen Krieger wie ein Blitzschlag. Es gab in keinem Moment einen Zweifel daran, wo er sich befand und was er im Begriff war, zu tun. Hutzel trat einer Armee gegenüber, deren furchtbarer Ruf ihr bereits seit Monaten voraus eilte und jedes Gerücht schien der Wahrheit zu entsprechen. Nun, da er einer Abordnung dieses Volkes gegenüber stand, glaubte er, dass sich hinter den Gerüchten noch viel Grauenvolleres verbarg.

Die beiden Kämpfer, die dem kleinem Krieger entgegen traten, gehörten nicht zu den größten Exemplaren ihrer Gattung, mussten jedoch über eine gewisses grundlegendes Verständnis der Manipulation verfügen. Sonst hätten sie innerhalb ihrer Gruppe nicht über Macht verfügen können.
In Sichtweite lagerte ihr Volk. Unruhe herrschte unter ihnen. Die meisten befanden sich in ständiger Bewegung und liefen wie Tiere in einem Käfig beständig an einer unsichtbaren Linie entlang. Zwar war es Hutzel aus dieser Entfernung unmöglich, ihre Gesichter zu sehen, aber er schätzte, sie würden sich nicht von denen unterscheiden, die er vor sich sah.

Es war nicht einmal Boshaftigkeit in diesen Gesichtern zu lesen, kein Hass oder Zorn, wie der kleine Krieger ihn hinter sich in den Mienen seiner Mitstreiter wusste. Furcht gar fehlte diesen Wesen völlig. Gemeinhin nannten die Völker im Reich der Dreggen sie Eisriesen. Bisher waren sie nur als Kinderschreck in Erscheinung getreten, von Müttern benutzt, um ihre Kinder zu erziehen. Nur ganz wenige Völker wussten aus ihren alten, überlieferten Legenden, wie es um den Mythos Eisriesen tatsächlich bestellt war. Eisriesen wurden nur durch eines getrieben: Hunger.

Der kleine Krieger kam sich einsam und verloren vor. Er glaubte nicht an eine gütige Wendung des Schicksals. Nach vielen Überfällen auf Dörfer und kleinere Städte war eine Situation eingetreten, die keine Hoffnung auf ein baldiges Ende der Kämpfe schürte. Die beiden Eisriesen sahen düster auf ihn herab. Der größere leckte sich mit der Zunge über seine spitzen Eckzähne. Hutzel hörte den gedrungenen Eisriesen Worte sprechen und obwohl er ihn hätte verstehen müssen, waren es bloß sinnlose Geräusche, die seine Ohren erreichten.
So würde er seine Aufgabe nicht erfüllen können. Vampirelfen und noch jemand hatten ihn zu dieser Mission überredet. Wer befand sich noch im Hintergrund? Wer? Ein Schleier legte sich über seine Augen. Bald war es wieder dunkel.

Hutzel fühlte aus einem unerfindlichen Grund, dass ihm eine letzte Begegnung bevorstünde, die Licht in das Dunkel dieser Reise bringen würde.

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Die Prophezeiung - Teil 4
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